Akkus im Abfall: Interzero setzt neue Standards beim Brandschutz
Ob im Smartphone, E-Bike oder Akkuschrauber: Lithium-Ionen-Batterien treiben unseren Alltag an. Sie speichern große Energiemengen auf kleinstem Raum und sorgen dafür, dass wir jederzeit vernetzt, flexibel und mobil bleiben. Doch die modernen Kraftpakete bergen Risiken: „Bei falscher Entsorgung können sie schnell brandgefährlich werden“, sagt Stefan Leubner, Leiter der technischen Abteilung bei Interzero. Der Kreislaufwirtschaftsdienstleister betreibt in Deutschland fünf Sortieranlagen für Leichtverpackungen. In jeder Schicht entdecken die Teams ein bis drei Brandherde.
Gefahren für Menschen und Umwelt abwenden
Ausgediente Akkus gehören weder in die Gelbe Tonne noch in den Restmüll. Warum also werden sie in den Hightech-Anlagen von Interzero nicht direkt zu Beginn des Sortierprozesses automatisch aussortiert? „Technische Möglichkeiten gibt es durchaus, bringen uns aber in diesem Fall leider nicht weiter“, erläutert Stefan Leubner. Der Grund: „Akkus entzünden sich in der Regel durch mechanische Einwirkungen. Würden sie beispielsweise mit Druckluft vom Fließband geschossen werden, würde das ein Brandrisiko nur noch weiter erhöhen.“ Um Gefahren für Menschen und Umwelt abzuwenden und wirtschaftliche Schäden zu minimieren, setzt Interzero daher auf andere Lösungen. Das Unternehmen entwickelte ein neues, umfassendes Brandschutzkonzept, das weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht und auch in die Empfehlungen des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e.V. (BDE) eingeflossen ist.
Verschiedene Ansatzpunkte – ganzheitliche Optimierung
„Für einen wirksamen Brandschutz ist ein konsequenter 360-Grad-Blick entscheidend“, so Stefan Leubner. „Wir konzentrieren uns nicht nur auf einzelne Faktoren wie die Ausschleusung der Objekte, baurechtliche Vorgaben oder Anforderungen von Versicherern. Wir haben sämtliche relevanten Ansatzpunkte analysiert und alles auf den Prüfstand gestellt: von Lagerkonzepten und Überwachungssystemen über Sprinkleranlagen bis zum Objektschutz.“ Ein besonderes Augenmerk lag auf den eingesetzten Kamerasystemen und den angeschlossenen Industrielöschanlagen. „Ein weit verbreitetes Problem ist das Verschmutzen der Kameralinse in der staubigen Anlagenumgebung. Hier haben wir eine eigene technische Lösung entwickelt, mit der wir die zuverlässige Erkennung von Bränden direkt in der Entstehungsphase deutlich verbessern konnten.“
Auch Verbraucher und Politik sind gefragt
Die neuen, für alle Interzero-Anlagen verbindlichen Standards reduzieren das Risiko einer Brandausbreitung und größerer Schäden erheblich. Dennoch können Recyclingunternehmen das grundlegende Problem nicht allein lösen. Um die Zahl der Brände nachhaltig zu senken, sind auch die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Politik gefordert. Mit der Kampagne „Brennpunkt: Batterie“ sensibilisiert der BDE gemeinsam mit seinen Mitgliedern für die Gefahren durch achtlos weggeworfene Batterien und Akkus und informiert über die richtige Entsorgung. Gebrauchte Akkus sollten im Fachhandel zurückgegeben oder über die Wertstoffhöfe entsorgt werden. Um entsprechende Anreize zu bieten, fordert der BDE unter anderem die Einführung eines wirksamen Batterie-Pfandsystems.